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„Pöbeln, hetzen, drohen – wird der Hass gesellschaftsfähig?“ (Sendung Jauch, ARD 23.10.2015): Warum eine gute Vorbereitung nicht nur für Moderatoren, sondern auch für Talkgäste sinnvoll ist

Man kann den Vertreter der AfD als „schamlosen Demagogen“ bezeichnen (faz net) und man kann, wie jeden Montag, die jämmerliche Moderation eines wieder einmal schlecht vorbereiteten und vollkommen deplatziert wirkenden Günther Jauch beklagen.

Günter Jauch im ARD Studio

Mindestens genauso so ärgerlich ist es, wenn in Talkshows miserabel vorbereitete Gäste sitzen, die auf mediale Selbstinszenierungen von AfD-Politikern überrascht reagieren und, schlimmer noch: nicht wissen, wie sie auf deren Äußerungen reagieren sollen!

Warum bereiten sie sich nicht vor? Haben sie etwa nicht gelernt, dass es sinnvoll ist, sich vorher zu informieren, wer als Mitdiskutant in der Runde sitzt und zu recherchieren, wie er voraussichtlich argumentieren wird?

Vorbereitung auf Talkshows heißt: Argumente im Vorfeld überlegen

Haben sie noch nie davon gehört, dass man im Vorfeld einer Diskussion überlegt, wie man argumentiert, welche Fakten, Argumente, Bilder, Beispiele usw. man bringt, um eigene Aussagen zu stützen und Gegenargumente zu entkräften?

Aggressionen, Streitereien und Äußerungen wie „Das ist widerlich“ von Innenminister Maas (auch wenn es inhaltlich stimmt) oder „Wollen Sie mich verarschen?“ von Saarlands Innenminister Boullion, sind wenig geeignet, um eine sachlich fundierte Debatte zu führen.

Peinlich auch, dass noch nicht einmal Anja Reschke, die leitende Innenpolitikredakteurin des NDR, mit aktuellen Zahlen über Brandanschläge auf Flüchtlingseinrichtungen aufwarten kann. Eine professionelle Vorbereitung auf Talkshows sieht anders aus.

So lange Politiker und Medienmacher nicht in der Lage sind, klare und eindeutige Worte zu finden und rechte Polemik sachlich zu entkräften, so lange sind sie mitverantwortlich dafür, dass ein Vorsitzender der Thüringer AfD-Fraktion den Großteil einer Sendung unwidersprochen zur Stimmungsmache gegen Flüchtlinge in Deutschland nutzen kann.

Das ist eine verschenkte Chance – und äußerst peinlich!

(19.10.2015)